Es klingt zunächst mal wie eine gute Nachricht: Die Arbeitskräftelücke in den MINT-Berufen, also denen, die mit Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu tun haben, ist weiter gesunken.
Fehlten in Deutschland im April 2025 mehr als 163.000 Personen in den MINT-Berufen, waren es im vergangenen April nur noch gut 141.000 Personen.
Die MINT-Lücke ist damit innerhalb eines Jahres um annähernd 14 Prozent geschrumpft. Allerdings hat die Entwicklung viel mit der schlechten Konjunktur in Deutschland und weniger mit großen Personalzuwächsen zu tun. Daher lautet die nicht so gute Nachricht auch: Es gibt nach wie vor zu wenige MINT-Bewerber.
Trotz der lahmenden deutschen Konjunktur ist der Mangel an MINT-Arbeitskräften in einigen Branchen zuletzt gewachsen, zum Beispiel in Berufen der Metallverarbeitung.
Am größten sind die Engpässe mit knapp 50.000 unbesetzten Stellen in den Energie- und Elektroberufen, in der Metallverarbeitung und den Bauberufen mit jeweils rund 26.000 Jobs sowie in Berufen der Maschinen- und Fahrzeugtechnik, wo fast 23.000 Stellen rechnerisch nicht besetzt werden können. Hinzu kommt: In den Berufen der Metallverarbeitung und in den Bauberufen sind die Engpässe innerhalb eines Jahres nicht kleiner geworden, sondern sogar gewachsen.
Aufgrund des demografischen Wandels wird der Mangel an MINT-Beschäftigten zudem weiter fortbestehen, insbesondere in den Facharbeiterberufen (Grafik):
Bis 2028 werden jedes Jahr fast 295.000 Fachkräfte im MINT-Bereich aus dem Berufsleben ausscheiden, das Gleiche gilt für jährlich annähernd 68.000 MINT-Akademiker.
Im kommenden Jahrzehnt ist aufgrund des demografischen Wandels mit deutlich zunehmenden Engpässen zu rechnen. Allein zwischen 2024 und 2034 droht deshalb die Beschäftigung in den MINT-Berufen um 1,8 Prozent abzunehmen, während die Beschäftigtenzahl im Jahrzehnt zuvor noch deutlich gestiegen war.
Der MINT-Mangel kann schon in der Schule gelindert werden
Um den Mangel an MINT-Arbeitskräften zu mildern, braucht es sowohl direkte als auch langfristige Maßnahmen. Zu den kurz- und mittelfristigen Möglichkeiten gehören:
- Mehr Frauen für MINT-Berufe gewinnen. Besseres Feedback zu den Stärken der Schülerinnen in den MINT-Fächern kann dafür sorgen, dass Lehrkräfte, Eltern und die Mädchen selbst ihre Kenntnisse in Mathematik und Naturwissenschaften realistischer einschätzen – bislang werden ihre Fähigkeiten in diesen Fächern nämlich häufig unterschätzt. Auch weibliche Role Models könnten helfen, dass sich mehr junge Frauen für MINT-Ausbildungen und -Studiengänge interessieren.
- Ein längerer Verbleib von älteren MINT-Beschäftigten im Berufsleben. Dazu gehören Anreize für einen späteren Renteneintritt, sodass mehr Menschen zwischen 65 und 69 Jahren im MINT-Bereich tätig bleiben. Spezielle Weiterbildungsprogramme für ältere MINT-Beschäftigte, die sich etwa um die digitale Transformation drehen, könnten diese länger im Berufsleben halten.
- Die Potenziale der Zuwanderung besser nutzen. Politik und Wirtschaft sollten die Zuwanderung nach Deutschland zu Ausbildungszwecken weiter stärken, denn: Viele internationale Studenten aus MINT-Fächern arbeiten nach ihrem Abschluss in Deutschland in einem qualifikationsnahen Beruf. Begleitprogramme und Sprachkurse können den Studenten beim Übergang in den Arbeitsmarkt helfen.
Langfristig lässt sich der MINT-Arbeitsmarkt durch eine bessere frühkindliche und schulische Bildung stärken. Es braucht mehr Betreuungsplätze, Sprach- und Leseförderungen für Kinder und Jugendliche, hochwertige Ganztagsangebote an den Schulen, gezielte Unterstützungsmaßnahmen für Schüler mit einem solchen Bedarf und mehr digitale Bildungsangebote.
Quelle: iwd
