Kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 249 Beschäftigten – sogenannte KMU – leisten in Deutschland einen essenziellen Beitrag zur Wertschöpfung. Sie machen hierzulande gut 99 Prozent aller Unternehmen aus und sind die Arbeitgeber von rund zwei Dritteln aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.
Von 2016 bis 2025 ist die Fachkräftelücke in kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland um 51 Prozent gewachsen.
Eine der größten Herausforderungen, mit denen diese Unternehmen konfrontiert sind, ist der Fachkräftemangel. Bundesweit entfielen im Jahresdurchschnitt zwischen Juli 2024 und Juni 2025 sieben von zehn offene Stellen, die rein rechnerisch nicht besetzt werden konnten – für die es also deutschlandweit keine passend qualifizierten Arbeitslosen gab – auf den Mittelstand. Wie prekär die Lage ist, hängt aber auch vom Standort des jeweiligen Unternehmens ab. Die meisten Fachkräfte fehlten zuletzt in Bayern.
KMU mit Sitz im Freistaat konnten im Jahresdurchschnitt zwischen Juli 2024 und Juni 2025 mehr als 75.000 Stellen nicht besetzen.
So sind dort besonders viele Jobs ausgeschrieben, gleichzeitig ist die Zahl der Arbeitslosen relativ niedrig. Damit blieb in Bayern zuletzt etwa jede zweite offene Stelle im Mittelstand unbesetzt.
Etwas weniger angespannt ist die Situation in den Stadtstaaten. In Berlin blieb „nur“ etwa jede fünfte offene Stelle in KMU rechnerisch frei, in Hamburg und Bremen war es rund ein Drittel.
Vergleichsweise gering ist das Besetzungsproblem rechnerisch zudem in Nordrhein-Westfalen – dort fehlten mit 40.870 nicht besetzbaren offenen Stellen zuletzt zwar die zweitmeisten Arbeitskräfte, mit einer Stellenüberhangsquote von 28 Prozent lag das bevölkerungsreichste Bundesland aber unter dem Bundesdurchschnitt. Das heißt, dass es dort in der Theorie für viele Stellen passend qualifizierte Arbeitslose gibt.
Generell hat sich die Lage in den vergangenen Jahren allerdings zugespitzt:
Im Vergleich zum Jahresdurchschnitt 2015/2016 ist die Fachkräftelücke für KMU bundesweit um die Hälfte gewachsen.
Am stärksten vergrößert hat sie sich in Mecklenburg-Vorpommern – rund 10.300 rechnerisch nicht zu besetzende offene Stellen bedeuten dort ein Plus von 236 Prozent. Ebenfalls viel stärker mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen haben KMU in Brandenburg (plus 139 Prozent), in Schleswig-Holstein (plus 123 Prozent) und im Saarland (plus 101 Prozent). In Baden-Württemberg verringerten sich die Engpässe dagegen um ein Viertel. Dahinter steckt allerdings kein größeres Angebot an Fachkräften, sondern eine gesunkene Nachfrage der Unternehmen. In dem industriell geprägten Bundesland ist das Stellenangebot in Berufen der Rohstoffgewinnung, Fertigung und Produktion durch den Strukturwandel stark zurückgegangen.
Was Unternehmen gegen den Fachkräftemangel tun können
Es gibt kein Patentrezept, um den Fachkräftemangel zu bewältigen – aber einige Stellschrauben, die für KMU besonders relevant sind. So ist eine starke Arbeitgebermarke ein wichtiger Hebel, um neue Bewerber anzusprechen und bestehende Mitarbeiter im Betrieb zu halten.
Ein weiterer Baustein sind gezielte Weiterbildungen. KMU haben trotz begrenzter Ressourcen zwar eine ausgeprägte Weiterbildungskultur, richten diese aber oft nicht systematisch an den tatsächlichen Bedarfen aus. Wer Beschäftigte gezielt qualifiziert, kann den Fachkräftemangel zumindest teilweise abfedern und trägt dazu bei, dass ältere Mitarbeiter länger im Unternehmen bleiben. Das ist vor allem für Betriebe in ostdeutschen und ländlichen Regionen relevant, da dort überdurchschnittlich viele ältere Beschäftigte arbeiten.
Eine zentrale Säule der nachhaltigen Fachkräftesicherung ist zudem die Ausbildung.
Der Anteil der Betriebe mit Auszubildenden ist in den vergangenen Jahren allerdings stetig gesunken, im Jahr 2023 beschäftigten nur noch rund 18 Prozent aller KMU Azubis. Das liegt neben dem zunehmenden Anteil an unbesetzten Ausbildungsplätzen auch an fehlenden personellen und finanziellen Ressourcen. Unternehmen sollten sich deshalb stärker über Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten informieren – unter anderem bietet die Agentur für Arbeit eine assistierte Ausbildung an, bei der sie sowohl dem Betrieb als auch den Auszubildenden einen Ausbildungsbegleiter zur Seite stellt.
Quelle: iwd